Identitätskrise auf vier Rädern
Wer sind wir eigentlich?
Wir sind nicht die coole Öko-Familie, die aussieht, als wäre sie direkt aus einem nachhaltigen Katalog gefallen. Mit Schlabberlook, drei glücklich verwahrlosten Kindern und einem selbstgebauten Lehmofen hinterm Bus.
Wir sind auch nicht die bärtigen Einzelgänger mit zotteligem Hund, die in umgebauten Reisebussen auf Supermarktparkplätzen stehen, als hätten sie den Pachtvertrag mit der Freiheit persönlich unterschrieben.
Die sind wir nicht.
Wir sind auch nicht die Vanlifer: jung, hübsch, sonnengeküsst. Menschen, die am Strand die neueste Unterwäsche vorführen und davon leben, sinnige und vollkommen sinnlose Produkte in die Kamera zu halten – perfekt ausgeleuchtet, perfekt gefiltert, perfekt unrealistisch.
Die sind wir nicht.
Wir sind auch nicht die Glamping-Fraktion. Riesige Luxusmobile, der kleine Smart hinten drauf, weil man ja sonst nicht in die Stadt kommt. Campingplätze mit Whirlpool, Sauna und Sternerestaurant. Freiheit mit Roomservice.
Die sind wir nicht.
Und nein – wir sind auch nicht die Allerweltscamper. Weißware-Wohnmobile, Normalo-Plätze, Dauercamping mit Jägerzaun, Gartenzwergen und Jogginghose. Morgens Chemietoilette leeren, abends Grillgut vom Discounter.
Die sind wir auch nicht.
Aber wenn wir all das nicht sind – was sind wir dann?
Wo ist unsere Schublade? Unsere Community? Unser Hashtag?

Vielleicht liegt genau da der Denkfehler.
Vielleicht gibt es diese eine Gruppe gar nicht, die uns einschließt.
Vielleicht sind wir nicht entweder oder, sondern irgendwo dazwischen.
Ein bisschen Freiheit, ein bisschen Komfort.
Ein bisschen Chaos, ein bisschen Plan.
Manchmal wild, manchmal spießig.
Mal mutig, mal müde.
Vielleicht sind wir einfach Menschen, die unterwegs sind – nicht, um jemand zu sein, sondern um sich selbst näherzukommen.

Menschen, die nicht perfekt reisen wollen, sondern ehrlich.
Ohne Filter. Ohne Etikett. Ohne Instagram-taugliche Dauererleuchtung.
Vielleicht sind wir die, die noch suchen.
Die, die zweifeln.
Die, die sich fragen: Passt das noch zu mir? Oder probiere ich gerade nur eine neue Rolle?
Und vielleicht – nur vielleicht – ist genau das unsere Gruppe:
Die der Unsortierten.
Der Dazwischen-Menschen.
Derjenigen, die keinen Jägerzaun brauchen, aber auch keinen Vanlife-Traum verkaufen wollen.
Die unterwegs sind, ohne zu wissen, ob sie ankommen müssen.
Wir sind nicht „die Camper“.
Wir sind nicht „die Vanlifer“.
Wir sind nicht „die Glamping-Leute“.
Wir sind wir.
Und das darf sich ändern.
Jeden Tag.
Jeden Kilometer.
(Und falls es dafür noch keinen Hashtag gibt – umso besser.)
